Descent - Altar der Verzweiflung

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Wenn unsere regelmäßige Brettspielgruppe zusammenkommt, steht meist Descent auf dem Spielplan -- kein Wunder, vereint der Fantasy-Dungeon-Crawler doch beliebte Rollenspielelemente mit einem spannend inszenierten Kampfsystem und kann darüber hinaus mit einer Komplexität punkten, die für Brettspiele eher unüblich ist.

Trotzdem kommt irgendwann der Punkt, an dem sowohl Overlord als auch Heldengruppe nach mehr Möglichkeiten hecheln -- höchste Zeit für eine Erweiterung, die die Entwickler der Fantasy Flight Games dankenswerterweise mit einer bewundernswerten Kontinuität abliefern.

Neben den Kampagnenablegern Wege zum Ruhm und dem brandneuen Sea of Blood gibt es mit Quelle der Finsternis, Altar der Verzweiflung und Gruft aus Eis mittlerweile drei Add Ons, die das Hauptspiel um neue Regeln, spannende Monster, clevere Overlordkarten und jede Menge Ausrüstung erweitern. Da Ersteres schon seit Monaten ausverkauft ist, stürzten wir uns auf die darauffolgende Expansion -- Altar der Verzweiflung -- und wagten ein Testspiel. Mein Fazit liefert der folgende Testbericht.

Descent Erweiterung: Gar nicht zum Verzweifeln

Altar der Verzweiflung kommt in der typischen quadratisch, praktisch, gut-Verpackung daher, in denen auch der Eiserne Thron samt Erweiterungen, Battlestar Galactica, Legende von Beowulf, als auch diverse andere Proukte aus dem Hause FFG untergekommen sind. Das Coverart passt perfekt zum restlichen Descent-Ensemble und versprüht schon bei bloßer Betrachtung einen unaufhaltsamen Drang, sich mit den Innereien des Kartons zu befassen.

Altar der Verzweiflung

Abbildung 1: Altar der Verzweiflung von Außen


Altar der Verzweiflung

Abbildung 2: Im Vergleich mit dem Space Hulk 3. Edition-Karton


Einmal geöffnet lächeln uns bekannte Inhalte entgegen: Neben einem neuem Heldenset bestehend aus sechs schön ausgearbeiteten Figuren samt entsprechender Charakterkarten, darf sich insbesondere der Overlord über seine fünf neuen Spielzeuge freuen: Mit dem Blutaffen, dem Troll, dem Dunklen Priester, dem Chaosbiest und dem Tiefenelf wertet die Nemesis der Heldengruppe das spawnbare Monsterensemble spürbar auf und bringt durch zahlreiche neue Fähigkeiten (die Blutaffen etwa überspringen ihre Gegner weitläufig und richten bei jedem übersprungenen Helden Schaden an) jede Menge Pepp ins Spiel. Einziger Wermutstropfen: Der Dungeon Master bekommt nicht gerade viele Karten in die Hand, mit denen sich die neuen Monsterchen spawnen lassen und so kämpft er, wenn es die Map nicht gerade anders vorschreibt, über weite Strecken mit dem althergebrachten Monsterzoo.

Altar der Verzweiflung

Abbildung 3: Die neue Heldentruppe wartet auf mutige Spieler


Altar der Verzweiflung

Abbildung 4: Aber auch neue Monsterhorden warten auf ihren Einsatz


Abgesehen davon hält der Karton neue Versatzteile zur Dungeongestaltung, einen bunten Strauß an Ausrüstungs- und Overlordkarten und eine große Anzahl neuer Marker bereit, die sich gravierend auf das Spielgeschehen auswirken: So gibt es nun Plättchen für Nebel- und Seuchengebiete, Glyphen können ab jetzt auch in Fallen verwandelt werden und die Helden erhalten neue und vor allem sehr mächtige Vertraute. Darüber hinaus wurde dem Spiel ein neuer Satz Befehlsmarker spendiert ("Verlängerunsaktion"), die dem Helden die Möglichkeit gibt, interaktiv auf seine Umgebung einzugehen.

Durchdachte Regelerweiterungen

Spielregeltechnisch bleibt bis auf die bereits erwähnten Erweiterungen fast alles beim Alten -- das Add On bietet in erster Linie mehr vom Gleichen. Ein, zwei neue, aber dafür umso gravierendere Regeln haben es dennoch in Altar der Verzweiflung gebracht. Zum einen darf der Overlord nun für jede Mission so genannte Verratspunkte ausgeben, mit denen er seinen Overlordkartenstapel entweder mit zusätzlichen Karten ausbaut oder eingangs erwähnte Glyphen in Fallen umwandelt. Diese Regel, eigentlich bereits in Quelle der Finsternis enthalten, bereichert das Spiel um eine interessante strategische Overlord-Komponente.

Ein weiteres, sehr spannendes Element sind die unheilvollen Gegenstände, die in ihrer teuflischsten Form als Dunkle Relikte bekannt sind: Solche Ausrüstungsteile lassen sich am ehesten als verfluchtes Equpiment bezeichnen und schwächen den Helden bis zu seinem Ableben (dann erst darf er den Gegenstand ablegen) extrem.

Altar der Verzweiflung

Abbildung 5: Die Charakterkarten und einige der neuen Plättchen


Altar der Verzweiflung

Abbildung 6: Jede Menge neue Karten und Dungeonversatzstücke


Altar der Verzweiflung enthält eine Reihe neuer Questen (sechs an der Zahl) und fügt sich nahtlos in das Hauptspiel ein -- wie übrigens auch in das Kampagnenset Wege zum Ruhm. Mit knapp 33 Euro gehört es derzeit zu den eher billigeren Descent-Erweiterungen.

Fazit: Mehr vom Gleichen – zum Glück!

Da schlägt das Herz eines jeden Kellermeisters höher: Der Monsterpool wird um spannende Einheitentypen erweitert, die neuen Overlordskarten bringen mehr Möglichkeiten ins Spiel (auch wenn es durchaus ein paar Spawnkarten mehr hätten sein dürfen) und die verfluchten Ausrüstungsgegenstände führen dazu, dass sich der Overlord nicht vor jeder Truhenöffnung ähnlich arg fürchten muss wie der Weihnachtsmann vor zu engen Kaminschloten.

Das neue Regelwerk ist sparsam dosiert und wurde nur um Punkte erweitert, die dem Spielspaß tatsächlich zuträglich sind -- etwa das Verratssystem, das den Overlord nicht unbedingt stärker macht, aber in jedem Fall dafür sorgt, dass sich das Spiel besser an dessen Spielstil anpasst. Auf der anderen Seite werden die Maps nun durch die Einführung der Verlängersaktion deutlich aufgewertet, weil jetzt eine intensivere Art von Interaktion zwischen Helden und Dungeon möglich ist. 

Unterm Strich bleibt eine spannende Erweiterung, die prinzipiell "nur" mehr vom Selben bietet, aber genau aus diesem Grund für Descentliebhaber eine absolute Empfehlung ist. Anders ausgedrückt heißt das aber auch: Wenn Descent bislang nicht mochte, wird diese Haltung durch Altar der Verzweiflung nicht verlieren.

Wertung: 10/12

4 responses to "Review: Descent Expansion – Altar der Verzweiflung (Fazit + Bilder)"

  1. Super Review. Damit und mit der Review zum Hauptspiel, hast du es hinbekommen, dass ich mir das Spiel sofort nach meiner Rueckkehr nach Deutschland kaufen werde.

    Habe es sogar hier in Neuseeland schon angeschaut im Laden, aber die Spielepreise hier und die paar Kilo Gewicht entscheiden doch krass fuer den Kauf in Deutschland.

    Nie mehr jammern, dass Spiele in Deutschland teuer sind. Die zahlen hier fuer alles das doppelte.

  2. Danke für das Lob!

    Ich kann Descent nur empfehlen. Und wenn du es dir holst und du merkst, es gefällt dir, dann hol dir auch schnell die Add Ons, weil wenn dir erstmal ausverkauft sind, dauert es sehr lange, bis da mal wieder was nachkommt -- und glaub mir, dann ärgerst du dich so richtig :)

  3. Sachmal der Name "Altar der Verzweiflung" ... das ist doch bestimmt ein "Zeichen". Dein Spiele-Altar und deiner besseren Hälfte die Verzweiflung davor?

  4. Manfred | 3. Mai 2010 um 14:02 says:

    Ich finde es echt klasse das ich deinen Beitrag gefunden habe... Der Bericht entspricht tatsächlich genau diesem Spiel... Ich habe es mir aus neugier gekauft, weil ich wissen wollte wie das Spiel tatsächlich ist... Das Ergebnis ist, ein volles Wochenende voller Spielspaß... Das Spiel kam am Donnerstag bei mir an.
    Nachdem ich die ganze Nacht an der Anleitung gelesen hatte, konnte es Freitag dann endlich los gehen... Ich sags euch SUPER... Kann ich nur empfehlen!

    Danke nochmal für den Tip...