Die Legend of Grimrock-Macher wollten zu neuen Ufern, und haben nicht nur ein gänzlich anderes Spiel auf den Weg gebracht, sondern auch gleich eine neue Entwicklungsfirma (ctrl alt ninja) gegründet, um nach eigenen Aussagen ein neues Konzept ohne Grimrock-Hypothek auf den Weg zu bringen. Der Plan ging allerdings nicht ganz auf, denn im Endeffekt spricht jeder vom neuen Spiel der Grimrock-Macher. Der Name des neuen Spiels: Druidstone - The Secret of Menhir Forest.

Spielerisch haben wir es bei Druidstone mit einem Taktik/RPG-Mix zu tun, wobei der Taktikteil das Gameplay deutlich dominiert. Ähnlich wie bei Into The Breach (das auch als Inspirationsquelle diente) kämpfen wir auf überschaubaren Maps gegen Flora, Fauna und allerlei fantastischen Wesen und haben dabei stets verschiedene Ziele vor Augen: Ein Ziel, das dazu dient, die Karte zu schaffen und oftmals mehrere Bonus-Ziele, die uns bei Erledigung zusätzliche Vorteile verschaffen, die wir später zum Skillen unserer Helden verwenden können.

Bedeutet: Umso mehr Bonusziele wir schaffen, umso besser werden unsere Helden -- das motiviert natürlich, möglichst jede Map perfekt abzuschließen und damit möglicherweise mehrmals zu beginnen. Auf schwer ist der Schwierigkeitsgrad schon recht knackig, auf normal schafft man das Hauptziel meist ganz gut, aber für die Bonusziele muss man sich ein wenig anstrengen.

Das Kampfsystem umfasst gängige Mechanismen wie Reichweite oder Schlag-Chancen, wenn der Gegner aus dem Nahbereich läuft. Das funktioniert insgesamt optimal und geht sehr fluffig von der Hand. Die Fähigkeiten der unterschiedlichen Charaktere unserer Gruppe spielen sich dabei angenehm unterschiedlich und ergänzen sich gut.

Der Rollenspiel-Teil ist eher RPG light. Das bedeutet: Wir können zwar EXPs sammeln und Stufen aufsteigen, aber allzu viel ist nach einem Stufenanstieg nicht auszuwählen. Es gibt zwar Ausrüstung (die sich sogar verbessern lässt), aber die Auswahl ist insgesamt überschaubar. Ein Skilltree ist zwar nicht vorhanden, aber immerhin lässt sich jede Fähigkeit über Edelsteine auf verschiedene Art und Weise verbessern.

Optisch ist Druidstone hübsch in Szene gesetzt, was vor allem für die Weltkarte gilt, die uns als eine Art Quest-Hub zu den einzelnen Maps bringt. Auch die Musik ist teilweise wunderschön.

Also alles prima? Meine Kritikpunkte sind subjektiv und wahrscheinlich absolute Geschmackssache, deshalb erwähne ich sie nur kurz: Zum einen ist mir das Spiel tatsächlich ein wenig zu bunt, der Humor ein kleines bisschen zu sehr bemüht und die ganze Atmosphäre zu sehr verniedlicht. Die Entwickler sagten, sie wollten nach dem düsteren Grimrock eine fröhlichere Atmosphäre zaubern: Das ist ihnen gelungen. Nur mir gefällt das halt weit weniger gut :)

Am ehesten haben mich noch die Dialoge gestört. Die sind teilweise ausufernd und in meinen Augen (auch wenn ich hier in Reviews schon anderes gelesen habe) nicht besonders spannend geschrieben. Einmal hab ich mich dabei erwischt zu sagen: sind wir jetzt bald fertig mit dem Text. Ich persönlich glaube, die Qualität des Titels ist eher im spielerischen zu finden.

Fazit:

Insgesamt ein echt starkes Paket, grade wenn man zusätzlich noch betrachtet, wie günstig man an den Titel kommt. Den ganz großen AHA-Effekt wie seinerzeit bei Legend of Grimrock bekomme ich allerdings nicht (aber ich gebe zu: Grimrock war für mich ein absolutes Indie-Ausnahmespiel).

Angetestet-Reihe auf Sothis Spielwiese:

Operencia - The Stolen Sun ist ein CRPG der ungarischen ZEN Studios, das im Besten Sinne als Retro-Rollenspiel und Dungeon Crawler angesehen werden kann, allerdings in Sachen Optik und Atmosphäre ein deutliches Zeichen setzt und den direkten Konkurrenten The Bard's Tale 4 durchaus in seine Schranken weisen kann.

Und ich beginne ab jetzt ein neues Let's Play -- schaut doch mal rein :)