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Nachdem Amazon vor einigen Wochen die Deutschland-Premiere des eBook-Readers Kindle 3 in Angriff nahm, haderte ich mit mir und der Frage, ob so ein feines Gerät nicht einen Stammplatz auf meinem Nachtisch verdient hätte. Nach Abwägen des Für und Wider bin ich vor zwei Wochen schließlich der Versuchung erlegen: Ein Kindle 3 in der WLAN-Version für 139 Euro wurde angeschafft.

Da die Testphase nun abgeschlossen ist, möchte ich euch meine Erkenntnisse ungern vorenthalten und habe deshalb in gewohnter Manier ein genau 15-minütiges Videoreview verfasst.

Und hier ist es – viel Spaß dabei :)

Gestern zum ersten Mal das Game of Thrones-Intro gesehen. Ich finde es einfach sensationell stimmig, sowohl in Bild, als auch in Ton. Erst der stilistisch gelungene Aufbau von Kings Landing, dann der Flug rüber zu Winterfell, dann hin zur Mauer. Wahnsinn.

Möglich, dass man die Faszination nur dann richtig versteht, wenn man die Bücher kennt.

PS: Wo kann man die Titelmelodie kaufen?!

Episch!

Und sie rückt jeden Tag ein Stück näher.

Can't wait.

 

Game of Thrones

WAAAHH ich hole die Bücher jetzt nochmal raus, das ist ja kaum auszuhalten.

Wer das Lied von Eis und Feuer kennen und lieben gelernt hat (und das bedingt sich zwangsläufig), wird vermutlich auch schon mitbekommen haben, dass HBO derzeit plant, eine mehrstafflige TV-Serie unter dem Titel Game of Thrones ins Leben zu rufen, in der unter anderem Sean Bean als Eddard ‘Ned’ Stark seinen Aufritt haben wird.

Endlich gibt es hiervon auch bewegte Bilder in Form eines Teasers zu begutachten – und der verspricht eine tolle Atmosphäre.

"Winter is coming” – so zumindest sagen die Starks und da möchte ich doch gerne mit einem: “ja, soll er kommen!" einstimmen und das nicht nur wegen der Affenhitze.

Den kompletten Cast findet ihr übrigens hier.

Die letzte Folge flimmert über den Bildschirm. Sie beendet die aktuelle Staffel mit einem grandiosen Finale und setzt zugleich den unvermeidlichen Cliffhanger hin zur nächsten Season. Und die schwirrt nun unablässig im Kopf des Zuschauers herum, lässt ihn in den nächsten Stunden, ja vielleicht sogar Tagen nach einer Weiterführung der Geschichte sehnen. Es ist ein Zyklus, der sich in regelmäßigen Zeitabständen für alle jene wiederholt, die sich in den unendlichen Weiten der TV-Produktionen eine Serie herausgepickt haben, die die eigenen Synapsen besonders stimuliert.

Es ist faszinierend zu beobachten, wie sich dieses Muster durch sämtliche Medien zieht: Wer hätte nach dem Abspann von Das Imperium schlägt zurück nicht seine Seele dafür verkauft, im Anschluss Die Rückkehr der Jedi-Ritter auf die Kinoleinwand projizieren zu lassen? Welcher Fantasy-Liebhaber wartet nicht voller Ungeduld darauf, dass George R.R. Martin endlich aus seiner Lethargie erwacht und den nächsten Band des Songs of Ice and Fire bringt?

TV-Serien mit fortlaufender Story nehmen in dieser speziellen Umgebung einen besonderen Stellenwert ein. Durch die theoretische Unbegrenztheit der Spiellänge wiegt sich dieses Unterhaltungsform in einem gut gedünkten Nährboden, der es ermöglicht, eine Story epischen Ausmaßes zu spinnen und damit die Tiefe guter Buchzyklen mit der audiovisuellen Kraft cinematischer Medien zu koppeln.

Produzenten, die es verstehen, diese Möglichkeiten zu nutzen und ihrem Produkt nicht den notwendigen finanziellen Teppich vorenthalten, erschaffen Meisterwerke wie die außergewöhnliche Battlestar Galactica-Neuauflage, die ihre begeisterte Anhängerschaft bereits in die vierte (und vermutlich finale) Staffel führt.

Showstopper Einschaltquoten

Doch mehr als jedes andere Medium sind TV-Serien auf Gedeih’ und Verderb’ dem finanziellen Erfolg ausgeliefert. Stimmt die Quote nicht, werden schnell die Lichter ausgeblasen – selbst dann, wenn die Story noch nicht beendet ist. Joss Whedons erstklassiges Firefly musste diese brutale Erkenntnis bereits nach 14 Folgen in Kauf nehmen; dass die Qualität der Serie erst beim DVD-Verkauf erkannt wurde, verhalf ihr zumindest zu einem abschließenden Kinofinale, das die verbleibende Story halbwegs auf zwei Stunden komprimierte. Dass es indes auch anders gehen kann, zeigte zumindest der große Science Fiction-Wegbereiter Babylon 5, bei dem noch eine Staffel hinterher geschoben wurde, obschon das große Finale gegen die Schatten längst ausgefochten war.

Das Staffelkonzept ist Fluch und Segen zugleich. Fluch deshalb, weil die Zeit vom Ende einer bis zur Veröffentlichung der nächsten Staffel schier unendlich erscheint. Doch eben auch Segen: Weil die Gewissheit auf Weiterführung der Geschichte wie ein heißes Feuer brennt. Weil uns lieb gewonnene Charaktere nicht einfach so verlassen und wieder in ihr normales Schauspielerleben zurückkehren. Wie ungleich höher fiel da die Agonie aus, als man gegen Ende von Die Rückkehr des Königs realisieren musste, dass Aragorn, Gandalf und Co. in dieser Form nie wieder auf die Leinwand finden werden?

In diesem Sinne,

Euer Sothi

Conan der Barbar
"Was ist das Schönste im Leben eines Mannes: Zu kämpfen mit dem Feind, ihn zu verfolgen und zu vernichten und sich zu erfreuen am Geschrei der Weiber!"

Auch wenn es sich so mancher nicht vorzustellen vermag: Lange bevor Peter Jacksons Herr der Ringe-Epos die Fantasyherzen der breiten Masse eroberte, gab es eine bahnbrechende Literatur-Verfilmung aus der Swords&Sorcery-Ecke, die dem wohl bekanntesten Fantasy-Heroen aller Zeiten ihren Tribut zollte: Conan - dem Barbaren, von Robert E. Howard 1932 zu Papier gebracht und im Jahre 1982 mit dem fleischgewordenen Conan-Darsteller Arnold Schwarzenegger verfilmt, der für diese Rolle geboren zu sein schien.

Conan der Barbar
Nächtliches Überfallkommando auf Thulsa Dooms Festung.

Gerade habe ich mir mal wieder den Original-Soundtrack von Basil Poledouris herausgekramt und meine Lieblingstracks Anvil of Crom und The Search über mich ergießen lassen. Und was soll ich sagen: Das ist Musik in absoluter Perfektion. Beim Hören der beiden Lieder ziehen Szenen aus dem Film und Zitate aus den Büchern an mir vorbei; Gänsehautfeeling macht sich breit.

Vielleicht kennt ja jemand von euch das hier:

Know, O Prince, that between the years when the oceans drank Atlantis and the gleaming cities, and the rise of the Sons of Aryas, there was an Age undreamed of, when shining kingdoms lay spread across the world like blue mantles beneath the stars - Nemedia, Ophir, Brythunia, Hyperborea, Zamora with its dark-haired women and towers of spider-haunted mystery, Zingara with its chivalry, Koth that bordered the pastoral lands of Shem, Stygia with its shadow-guarded tombs, Hyrkania whose riders wore steel and silk and gold.

But the proudest kingdom of the world was Aquilonia, reigning supreme in the dreaming west. Hither came Conan the Cimmerian, black-haired, sullen-eyed, sword in hand, a thief, a reaver, a slayer, with gigantic melancholies and gigantic mirth, to tread the jeweled thrones of the earth under his sandled feet.

Wenn ich diese Zeilen lese und dazu auch noch oben genannte Titel anhöre, drifte ich komplett in eine andere Welt ab und werde richtig emotional. Das ist es, was Fantasy in meinen Augen ausmacht: Dass die Gedanken abschweifen -- egal wohin: Zu fernen Ländern, anderen Zeiten, zu unbekannten Kulturen -- eben zu etwas fantastischem, das es natürlich nicht gibt, aber das in einem Medium (sei es Film, Literatur, Comics) so real beschrieben wird, dass es innerhalb der Erzählung stimmig und echt wirkt und somit wirklich genug ist, dass man sich darüber mehr als nur flüchtige Gedanken macht.


Conan der Barbar
Großes Finale im Kampf gegen Thulsa Doom: Conan nimmt es mit Dooms Schergen in einem epischen Kampf auf.

Es ist manchmal schwer, solche Gedanken in einem Blogeintrag zu vermitteln. Denn Emotionen haben auch etwas mit Bildern oder Liedern zu tun. Deshalb verlinke ich einfach mal zwei YouTube-Videos, die diese Lieder beinhalten.


Anvil of Crom ist die Musikuntermalung zum Prolog von Conan der Barbar, bei dem gezeigt wird, wie Conans Dorf von Thulsa Doom überfallen und Conans Leute verschleppt werden. Dieser bombastische Track würde zu absoluten jedem Fantasy- oder historisch angehauchten Film passen, bei dem auch nur irgendeine Form von wuchtigen Kampfsequenzen gezeigt wird.

Das Zitat, das ich oben aus den Büchern gebracht habe, ist hier übrigens direkt zu Anfang enthalten (gesprochen von Zauberer Akiro) -- allerdings in einer gekürzten, angepassten Fassung:

Between the time when the oceans drank Atlantis, and the rise of the sons of Aryas, there was an age undreamed of. And onto this, Conan, destined to wear the jeweled crown of Aquilonia upon a troubled brow. It is I, his chronicler, who alone can tell thee of his saga. Let me tell you of the days of high adventure!

Oder in der deutschen Version:

Ich will von einem Zeitalter berichten, das begann, als Atlantis im Meer versank und das endete, als die Söhne des Aryas die Macht eroberten. Ich will erzählen von Conan, der dazu ausersehen war, in dieser Zeit der großen Abenteuer, seine Stirn, hinter der sich viele Sorgen verbargen, mit der Juwelenkrone von Aquilonien zu schmücken. Ich will die Geschichte meines Herrn erzählen.

Und zu guter Letzt noch der Titel The Search, bei dem sich Conan nach Valerias Tod auf die Suche nach Thulsa Doom macht.


The Search ist vielleicht das schönste Lied auf einem Film-Soundtrack, das jemals das Licht der Welt erblickt hat.

Es gibt Leute, die halten Conan der Barbar für einen B-Movie, für eine Billigproduktion aus den Anfangstagen des damals unbekannten Arnold Schwarzenegger, die gar nicht in einem Atemzug mit der Herr der Ringe-Trilogie genannt werden darf.

Dem kann ich nur entgegnen: Wer so eine Meinung vertritt, hat weder die bildgewaltige Präsentation des Films, noch dessen über-emotionalen Soundtrack auf sich wirken lassen und weiß nicht, wovon er spricht. Conan The Barbarian war für viele viele Jahre die einzige ernstzunehmende Fantasy-Verfilmung und wird bei mir immer einen Platz in der Hitliste der besten Kinostreifen haben -- direkt und
auf gleicher Augenhöhe mit dem Herrn der Ringe-Epos.


Wer sich schon mal ein wenig auf sothi.de umgesehen hat, wird wissen, dass ich bekennender Drachenlanze-Fan bin und vor einigen Jahren sogar mal eine eigene Webseite zu dem Thema ins Leben gerufen hatte. Ok, die Seite wird inzwischen nicht mehr gepflegt und auch die rund 60 Drachenlanze-Bücher verstauben mittlerweile im Bücherregal, aber so ganz komme ich von dem Thema (allein wegen dem Sothi) natürlich nicht los :)

Seit Jahren geht ja nun schon das Gerücht um, das es eine Drachenlanze-Verfilmung mit realen Schauspielern geben soll. Dann hieß es wieder, es würde nur zu einem animierter Film reichen, bei dem die Sprecher bekannte Schauspieler (Kiefer Sutherland, Lucy Lawless) sein würden. Und dann verschwand das Projekt irgendwie aus meinem Dunstkreis... nur um jetzt wieder aufzutauchen.

Denn wie ich so durch die Weiten des Webs surfe, entdecke ich doch tatsächlich eine DVD namens Dragonlance - Dragons Of The Autumn Twilight -- eben jeder Drachenlanze-Verfilmung, auf die ich schon so lange vergeblich gewartet habe.

Also schnell den Trailer gesucht, angesehen... und tja, was soll ich sagen? Die Enttäuschung ließ nicht lange auf sich warten. Unter einer animierten Variante hätte ich mir qualitativ etwas mehr vorgestellt -- Dragons Of The Autumn Twilight mutet stilistisch teilweise wie ein 80er-Jahre Zeichentrickfilm an. Wer sich trotzdem für den Streifen interessiert (ja, ich geb's zu, ich würde ihn mir trotzdem gerne anschauen), muss wohl auf einen US-Import zurückgreifen.

Aber ich will mit meinen persönlichen Eindrücken hier nicht zu sehr beeinflussen -- schaut's euch einfach selbst mal an:


Dragonlance - Dragons Of The Autumn Twilight

Wenn man auf YouTube ein wenig stöbert, findet man übrigens schnell zu einem Amateur-Projekt, das versucht, die Drachenlanze-Story mit echten Schauspielern nachzustellen. Das sieht natürlich etwas... naja eben amateurhaft aus... :) aber hat irgendwie auch Charme. Es gibt sogar einen Trailer dazu, den ich euch nicht vorenthalten möchte:


Dragonlance Trailer - Living The Pain

Könnt' ja selbst entscheiden, welcher Film euch besser gefällt (ich habe da allerdings meine Schwierigkeiten *g*).
 
Icewind Dale Trilogy

Sagt euch der Begriff Dungeons&Dragons etwas? Wenn dem so ist, gehört ihr zu jener priviligierter Zielgruppe, die mit den Themen Fantasy, Forgotten Realms und Rollenspiel etwas anfangen können. In diesem Falle wäre es auch möglich, dass ihr schon einmal ein Buch des wahrscheinlich bekanntesten D&D Fantasybuch-Autoren in der Hand gehalten habt: RA Salvatore, der personifizierte Übervater der Gattung "Dunkelelf". Schwierig wird es, möchte man den Überblick über all seine Forgotten Realms-Werke behalten... aber dafür bin ich ja nun da :)

Wenn der Name Drizzt Do'Urden fällt, gerät ein Großteil der gemeinen Fantasy-Jünger ins Schwärmen. Diese Paradefigur eines Dunkelelfen, von Salvatore quasi sinnbildlich aus Lehm geformt und zu Papier gebracht, steht für alles, was man von einem modernen Helden erwarten kann: Cleverness, Charme, Gewissen, überwältigende Kampffertigkeiten und nicht zuletzt den Nimbus der Unbesiegbarkeit. Gepaart mit der Tatsache, dass Drizzt dem Forgotten Realms Unterreich entsprungen ist und er der ebenso tödlichen, wie grausamen Rasse der Drow (= Dunkelelfen) angehört, kommt noch ein gehöriger Coolness-Faktor hinzu, den nur wenige Konkurrenz-Heroen zu bieten haben. Und das ist fast schon ein Paradoxon, denn Drizzt ist dermaßen strunzgut, dass er es nicht mal über's Herz bringen würde, eine Kippe auf den Gehsteig zu schnippen.

Die Geißel der Forgotten Realms: Die Drow

Tief unter der Erde der Vergessenen Reichen befindet sich das Unterreich, das so ziemlich zu dem ungastlichsten Ort gehört, den sich ein Oberweltler wie unsereiner vorstellen kann. Abgesehen davon, dass es im Underdark kein Licht gibt und so böse Stolperfallen vorprogrammiert sind, besiedelten die Väter dieses überdimensionalen Höhlensystems ihre Idee mit allerlei ungastlicher und überaus gefährlicher Flora&Fauna. Und wäre dem nicht genug, wurde dieser Umgebung auch noch intelligentes humanoides Leben eingehaucht -- eben jene Dunkelelfen, die sich selbst die Drow nennen.

Drow sind vor allem für drei Dinge bekannt: Grausamkeit, Niederträchtigkeit und Machtbessenheit. Zusammenhalt kennt dieses Volk nur, wenn es den eigenen Zwecken dient; ansonsten heißt die Devise: Immer schön gegenseitig abmurksen. Dabei waren die Drow nicht immer böse. Der Legende nach handelte es sich ursprünglich um Oberflächen-Elfen, die ins Unterreich vertrieben wurden und dort der bösen Gottheit Lolth in die Hände fielen. Lotlh, die Göttin des Chaos, korrumpierte die Dunkelelfen und erfreut sich seither an deren Machtspielen.

Drow

Dadurch, dass Lolth eine weibliche Gottheit verkörpert, ergibt sich außerdem eine interessante Konstellation was die Rollenverteilung innerhalb der Drow-Gesellschaft angeht: Dunkelelfen sind in einem Matriarchismus organisiert und das heißt: Frauen haben das Sagen, die Männer haben zu gehorchen (und werden auch gerne mal geopfert). Und diese Struktur kommt nicht von ungefähr, immerhin sind die meisten Drow-Frauen im Durchschnitt größer und kräftiger als ihre männlichen Pendants und dürfen zudem als einzige den göttlichen Segen Lolths als eine ihrer Priesterinnen entgegennehmen.

Derart ausgegrenzt praktizieren die Y-Chromosomen-Träger daher "nur" die gemeinen Kampfkünste oder beschäftigen sich mit der Meisterschaft ihrer magischen Fähigkeiten -- aber das in nahezu vollendeter Perfektion. Ein voll ausgebildeter Drow-Schwertkämpfer oder Magier ist so ziemlich der schlimmste Albtraum, den sich ein Gegner vorstellen kann. Und Drizzt Do'Urden, um den Kreis wieder zu schließen, ist der beste Kämpfer, den die Dunkelelfen je hervorgebracht haben, das fleischgewordene Sinnbild eines Todesengels, der mit zwei Krummsäbeln bewaffnet im Zweikampf unbesiegbar ist. Nur leider hat Drizzt einen kleinen, aber entscheidenden Makel, der ihn von seinem restlichen Volk unterscheidet: Er besitzt ein Gewissen.

Vom Unterreich ins Eiswindtal (oder andersrum)

Als Salvatore mit seinem Schaffen begann, kannten zwar viele die Forgotten Realms, aber kaum einer konnte mit dem Begriff Unterreich oder Dunkelelf etwas anfangen. Erst als der Autor seine erste Reihe ins Leben rief, die berühmten sechs Bücher der Eiswind-Tal Saga (im Original Icewind Dale Trilogy), durfte man sich ein echtes Bild von einem Dunkelelfen machen -- allerdings, und darin liegt eine gewisse Ironie, von einem Drow, der in seiner Charakteristika gar nicht dem Standard-Drow entsprach.

Die Vergessenen Welten 1-6 (The Icewind Dale Trilogy)

1. Der gesprungene Kristall

2. Die verschlungenen Pfade

3. Die silbernen Ströme

4. Das Tal der Dunkelheit

5. Der magische Stein

6. Der ewige Traum

Immerhin erfuhr der Leser zumindest die offensichtlichen Details, etwa dass Dunkelelfen ebenholzfarbene Haut haben oder dass sie das Licht scheuen, aber dafür Infarot-Sicht besitzen. Und natürlich vor allem eins: Dass Dunkelelfen auf der Oberfläche alles andere als gerne gesehen sind, ja sogar gehasst werden. Und so kämpft Drizzt aufgrund seiner rechtschaffenen Art für die Menschheit, die ihn trotz seiner Taten am liebsten auf den Scheiterhaufen bringen würde und genießt nur unter einer handvoll Freunden Respekt und Anerkennung.

Drizzt DoUrden

Diese Truppe ist nebenbei gesagt dann auch die klassische Fantasy-Heldengruppe bestehend aus Grummel-Zwerg, Haudrauf-Barbaren, feuriger Amazone und Halblings-Dieb, die man aus jedem Rollenspiel kennt, und die während der ganzen Icewind Dale-Trilogy in unzähligen Kämpfen dafür sorgt, dass der Leser unterhalten wird. Der eigentliche Star blieb allerdings Drizzt Do'Urden und somit verwundert es kaum, dass Salvatore eine Serie nachschob, die die Anfänge des Dunkelelfen beleuchtete: Die Saga vom Dunkelelf (zu Englisch Dark Elf Trilogy).

Diese Serie beinhaltet wohl die besten 6 Bücher (bzw. 3 im Original), die Salvatore je geschrieben hat und beleuchtet Drizzts Geburt, seinen Werdegang in der Dunkelelfen-Haupstadt Menzoberranzan, sein Entkommen in die Oberflächenwelt und gilt generell als Nachschlagewerk, wenn es um die Drow und das Unterreich geht. Detaillierteres und interessanteres Lesematerial wird man zu dem Thema nicht finden. Chronologisch ist es zudem sinnvoller, die Saga vom Dunkelelf vor allen anderen Salvatore-Romanen zu lesen, auch wenn sie erst im Nachhinein geschrieben wurde.

Die Saga vom Dunkelelf (The Dark Elf Trilogy)

1. Der dritte Sohn

2. Im Reich der Spinne

3. Der Wächter im Dunkel

4. Im Zeichen des Panthers

5. In Acht und Bann

6. Der Hüter des Waldes

Ausflug in die Schneeflockengebirge: Das Lied von Deneir

Irgendwann werden selbst solch' patente Kerlchen wie die Dunkelelfen langweilig und man sehnt sich nach Abwechslung. Daher erschuf der Autor das so genannte "Cleric Quintet", das zwar auch in den Forgotten Realms spielte, aber gänzlich ohne Drow auskam. Das Lied von Deneir, wie die deutsche Ausgabe heißt, erzählt in 5 recht üppigen Büchern die Geschichte des jungen Priesters Cadderly Bonaduce, der vom cleveren Adepten zum mächtigen Deneir-Priester aufsteigt und auf seinem Weg unter anderem gegen seinen eigenen Vater zu Felde ziehen muss.

Die Faszination der Serie erschließt sich dabei hauptsächlich aus dem Hauptprotagonisten Cadderly, der sich als jugendhafte Mischung aus Mc Gyver und William von Baskerville wohltuend vom sonstigen Helden-Einheitsbrei abhebt und über dessen Metamorphose von "Zero zum Super-Hero" man im Verlauf der Bücher manchmal verwundert die Augen reibt. Interessant ist dabei auch die Darstellung der Magie, die der Priester anwendet: Deneir, als Gott der Künste und des Wissens bekannt, gewährt seinem Jünger über Melodien Zugang zur Quelle seiner Magie. Dieses Lied, welches nur Cadderly hören kann, weiß er innerlich zu formen, zu verzerren und zu verändern und erreicht damit verschiedene Effekte, die sich vom Fliegen bis hin zu handfesten Angriffszaubern manifestieren.

Trotz aller Symphatie für die Hauptfigur und dessen witzigen Gegenspieler, dem kleinen Teufelchen Druzil, liest sich die Reihe etwas schleppend und vermag nicht komplett zu überzeugen. Vielleicht auch deshalb, weil einige Nebenfiguren (etwa die Zwergen-Brüder) völlig überzogen und teilweise nervig in Szene gesetzt wurden. Lesenswert ist die Serie für echte Fans dennoch, denn im Verlauf von Drizzt' Abenteuern treffen die beiden Protagonisten aufeinander (in: "Die Küste der Schwerter") und da möchte man doch wissen, wer es hier mit wem zu tun hat ;)

Das Lied von Deneir (The Cleric Quintet)

1. Das Elixier der Wünsche: Bd 1

2. Die Schatten von Shilmista. (Das Lied von Deneir Band 2)

3. Das Lied von Deneir III. Die Masken der Nacht.

4. Die Festung des Zwielichts

5. Der Fluch des Alchemisten


Von Drizzt zu Entreri


Als Drizzt härtester Gegenspieler entpuppt sich schon in den allerersten Büchern der Meuchelmörder Artemis Entreri. Dieser verfügt ähnlich wie der Dunkelelf über außergewöhnliche Fähigkeiten im Kampf (bezeichnenderweise auch ein doppelhändiger Kampfstil mit Schwert und Dolch) und wird in den Geschichten gerne als Drizzt' böses Spiegelbild dargestellt. Entreri macht im Verlauf sämtlicher Bücher allerdings eine erstaunliche Wandlung durch: Vom eindimensionalen "Ich will Drizzt umbringen"-Fanatiker zum nachdenklichen Eigenbrödler, dem es scheinbar schwer fällt, eine Linie für sein weiteres Leben zu finden. Hier setzte Salvatore an, um sich abermals von Drizzt Do'Urdens übermächtigem Schatten zu lösen und mit der Sellsword-Saga eine Art Spin-Off zu produzieren, das sich ausschließlich mit Artemis Entreri und dessen Drow-Freund Jarlaxle beschäftigt. Das neueste Buch aus dieser Serie hört auf den Namen "Die Drachen der Blutsteinlande" und ist bislang das letzte D&D-Buch aus der Feder von R.A. Salvatore.

Abgesehen von dem Konflikt um Artemis Entreri geht natürlich auch die Geschichte der Heldengruppe und ihr Kampf gegen das Unterreich weiter. Drizzt kann seinem Dunkelelfen-Erbe eben nicht entfliehen, drum war der Titel der nächsten Reihe mit "The Legacy of the Drow" nur die logische Schlussfolgerung. In Deutschland erschien dieser vierteilige Abschnitt, genau wie die darauffolgende Serie "Paths of Darkness", weiterhin unter dem allseits beliebten, wenn auch falschen Titel "Die Vergessenen Welten" (was hier gegen die korrekte Übersetzung "Reiche" gesprochen hat, wird mir auf ewig ein Rätsel bleiben). Immerhin wird mit dieser Tradition in der dreiteiligen "The Hunter's Blades Trilogy" gebrochen, denn das Ganze wird einfach (ohne besonders kreative Rahmen zu sprengen) als "Die Rückker des Dunkelelfen" verkauft.


Die Vergessenen Welten 7-10 (Legacy of the Drow)

7. Das Vermächtnis

8. Nacht ohne Sterne.

9. Brüder des Dunkels

10. Die Küste der Schwerter

Die Vergessenen Welten 11-14 (Paths of Darkness)


11. Kristall der Finsternis

12. Schattenzeit

13. Der schwarze Zauber

14. Die Rückkehr der Hoffnung

Die Vergessenen Welten 15-16 (The Sellswords)

15. Der Hexenkönig

16. Die Drachen der Blutsteinlande

Die Rückkehr des Dunkelelf (The Hunter's Blades Trilogy)

1. Die Invasion der Orks

2. Kampf der Kreaturen

3. Die zwei Schwerter

Salvatore als Berater: Der Krieg der Spinnenkönigin

Das, was Salvatore mit dem Thema Dunkekelfen angestoßen hatte, faszinierte natürlich auch andere, jüngere Autoren. Und so wunderte es nicht, als eine 6-teilige Reihe veröffentlicht wurde, in der Salvatore nur noch beratende Funktion inne hatte. Der Clou dabei: Jedes der sechs Bücher wurde von einem anderen Schreiberling verfasst; die Bücher lesen sich daher teilweise sehr unterschiedlich.

In Der Krieg der Spinnenkönigin geht es fast ausschließlich um Dunkelelfen und um's Unterreich. Drow-Göttin Lolth ist verschwunden und stürzt damit die sonst so klar strukturierte Drow-Welt in ein Chaos. Sämtlicher Priester-Magie entrissen, sehen vor allem die Drow-Weibchen einer ungewissen Zukunft entgegen. Es eröffnet sich die Chance für männliche Dunkelelfen, etwas an den verkrusteten Gegebenheiten zu verändern. Und auch feindselige Völker (und davon haben die Drow eine Menge) sehen ihre Zeit gekommen, endlich mit dem ungeliebten Nachbarn aufzuräumen. Interessant an den Büchern ist neben der Drow-Thematik eigentlich die Tatsache, dass jede Menge Charaktere aus Salvatores Büchern vorkommen. Sei es nun der Obermagier Gromph oder die gehässige Baenre-Priesterin Quenthel -- der Wiedererkennunswert ist gegeben.

War of the Spider Queen

Leider ist das, was die Autoren abliefern, von sehr schwankender Qualität. Oftmals versinkt die Serie was Dramaturgie und Schreibtechnik angeht, im heillosen Mittelmaß, manchmal geht's auch noch 'ne Stufe tiefer. Echte Geniestreiche in der Handlung finden sich dafür mehr als selten. Trotzdem lohnt sich das Durchlesen, selbst wenn sich manche Kapitel wie Kaugummi ziehen -- das Szenario übt eben Faszination aus.

Der Krieg der Spinnenkönigin (The War of the Spider Queen)

1. Zersetzung
2. Empörung
3. Verdammung
4. Zerstörung
5. Verheerung
6. Auferstehung

Zukunftsaussichten

Dass die Sellswords-Saga mit den wenigen bislang erschienenen Büchern noch nicht abgeschlossen ist, dürfte gewiss sein. Allerdings arbeitet Salvatore derzeit an einer weiteren Drizzt-Reihe unter dem Namen "Die Legende vom Dunkelelf", unter der bereits mit "Der König der Orks" ein Titel erschienen ist und mindestens noch zwei weitere folgen werden.

Ebenfalls sehr erfreulich ist die Tatsache, dass Salvatore zusammen mit Lisa Smedman an der Fortsetzung zu War of the Spider Queen arbeitet (muchas gracias an Torshavn für die Information).

Diese neue Serie hört auf den Namen Die Büßerin und wird insgesamt 3 Bücher umfassen: Das Opfer der Witwe (bereits erschienen), Der Sturm der Toten und Der Triumph der Spinne. Da mit Smedman eine der besseren WotS-Autoren am Werk ist, darf man sich auf diese Reihe durchaus freuen.

Darüber hinaus werden in fleißigen 2 Monatsabständen regelmäßig Comics zur kompletten Serie herausgebracht - angefangen mit der Saga vom Dunkelelf, über die Icewind Dale-Reihe hin zu Legacy of the Drow. Die Qualität der Comics ist dabei von gleichbleibend guter Qualität -- mehr dazu allerdings in einem weiteren Blogeintrag, da ich hier sonst jeglichen Rahmen sprenge ;)

Abschließende Betrachtung

Natürlich gäbe es zu Robert Anthony Salvatore noch jede Menge zu sagen -- etwa zu den Drachenwelt und Dämonendämmerung Serien, die aus seiner Feder stammen. Nachdem ich aber bereits nach dem ersten Dämonendämmerung-Buch entnervt aufgegeben hatte (und das passiert mir eher selten), beschloss ich, den Fokus dieses Artikels bei den Forgotten Realms zu belassen -- (A)D&D-Szenarien interessieren mich ohnehin mehr.

Ich hoffe dennoch, dass dieser Artikel jedem Fantasy-Interessierten einen Weg in noch ungeahnte Welten erm Reiche :) ermöglicht und dass damit die Faszination, die die Drow durch Salvatores Feder versprühen, auch auf andere übergeht. Und mit diesen Worten möchte ich mich denn auch verabschieden und euch noch etwas Poetisches von Drizzt Do'Urden himself auf den Weg geben :)

"Niemals ziert ein Stern dieses Land mit des Poeten Licht funkelnder Mysterien, noch sendet die Sonne ihre wärmenden und belebenden Strahlen hierher. Dies ist das Unterreich, eine geheime Welt unter der bewegten Oberfläche der Vergessenen Welten, deren Himmel von einer Decke aus kühlem Stein gebildet wird und deren Mauern die graue Sanftmut des Todes im Fackelschein der zufällig hierher gelangten törichten Oberflächenbewohner zeigen. Diese ist nicht ihre Welt, nicht die Welt des Lichts. Wer uneingeladen hierher kommt, kehrt meistens nicht zurück...

[...] aber die Drow sind die Herrscher dieser unbeherrschten Welt, die Tödlichsten der Tödlichen, und alle anderen Völker beobachten sorgfältig ihren Lebensweg. Die Schönheit selbst verblasst am Ende des Schwertes eines Dunkelelfen. Die Drow sind die Überlebenden, und dies ist das Unterreich, das Tal des Todes – das Land obskurer Albträume..." - Drizzt Do'Urden