Weihnachtsspezial 2021

Terminplan:

1. Subnautica: Below Zero (XSX)

In der Regel funktionieren Survival-Spiele eine Zeit lang ziemlich gut bei mir. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich die Grundmechaniken kapiert, die meisten Geheimnisse entdeckt und für mich verstanden habe, dass ab jetzt das Verhältnis Grind zu Spielerlebnis in eine unverhältnismäßige Schieflage gerät. Ab dann verliert der Titel rapide an Faszination und ist kurze Zeit später deinistalliert. Doch bis es soweit ist, können unheimlich tolle Spielstunden rausspringen, so wie zuletzt bei ARK – Survival Evolved, meiner Platz 1 aus dem Jahre 2015.

Unter dieser Prämisse betrachtet war es ziemlich unwahrscheinlich, dass ich jemals ein Spiel dieser Gattung durchspielen würde. Und überhaupt: Durchspielen? Geht das überhaupt? Ja, durchaus – wie das Beispiel Subnautica: Below Zero zeigt. Den Vorgänger habe ich nie wirklich gespielt, man könnte auch sagen: Sträflich vernachlässigt. Warum, kann ich eigentlich nicht genau sagen. Aber ich höre schon im Hintergrund die „Schande! Schande! Schande!“ Handglocken.

Wie auch immer: Below Zero, der quasi Nachfolger zum ersten Subnautica, ist im Grunde genommen das gleiche Spiel: Hier und da optimiert, mit Schnee und Eis, etwas kompakter in Sachen Spielfläche und Handlung. Kurz gesagt: Subnautica Deluxe. Es spielt sogar auf dem gleichen Planeten, nur eben in einer anderen, etwas frostigeren Ecke. Die Story dreht sich im Wesentlichen darum, dass wir unsere verschollene Schwester in selbstmörderischer Manier auf eben jenen Planeten wiederfinden möchten, dabei abstürzen und erstmal ums nackte Überleben kämpfen. 

Und hier beginnt der zweite Gameplay-Teil, nämlich der Survival-Part. Die Besonderheit am Subnautica-Überlebenskampf ist, dass wir hier die meiste Zeit unter Wasser verbringen: Erst müssen wir schauen, dass wir am Leben halten, in dem wir regelmäßig essen, trinken und... natürlich… auch atmen. Später bauen wir ganze Unterwasserstationen und Fahrzeuge. Die Baupläne dafür müssen wir allerdings erst finden – und zwar auf eine ziemlich cool implementierte Art: Nämlich durch das Abscannen bestehender Gebäude und Gegenstände, die wir überall in der Subnautica-(Unterwasser-)Welt finden. Warum finden? Na, weil hier schon vor uns Erkundungs- und Wissenschaftstrupps ihr Unwesen auf eigenen Anwesen getrieben haben. Wo die jetzt alle abgeblieben sind – auch das gehört zur Story und wird genreüblich durch sehr viele vertonte Audiobooks näher gebracht. Ich könnte jetzt noch ewig über die faszinierenden Details dieses Spiels schwadronieren, aber das hier soll ja kein Review werden.

Deshalb nur noch ein (Ab-)Satz zu dem eigentlichen Star des Spiels, der Atmosphäre. Below Zero ist technisch gesehen zwar „nur“ ein Indie-Spiel, aber was die Entwickler hier auf den Bildschirm zaubern, sowohl optisch, als auch in Sachen Klangkulisse, beeindruckte mich mehr alle Triple-A Produktionen in 2021. Es gibt so viele Ecken zu erkunden und alles sieht irgendwie einfach großartig, schaurig oder faszinierend aus – unterspült mit der Musik ein Erlebnis, von dem ich mich oft kaum losreißen konnte. Und so war ich am Ende, als ich erkannte, dass ich jeden Winkel des Spiels gesehen hatte, tatsächlich auch etwas traurig.

Subnautica: Below Zero muss nicht für jeden etwas sein, aber ich glaube, dass das Spiel die besten Tugenden eines Survival-Spiels in sich vereint und jene, die dem Titel eine Chance geben, mit in die Tiefen reinster Glückseligkeit zieht. Und wieviel mehr kann man von einem Spiel erwarten?

2. Kingdom: Two Crowns – Norse Lands (PC / PS4 / XSX / Switch)

Viele Jahre begleitet mich das kleine (?) Indie-Spiel Kingdom nun durch meine Spielzeit. Mittlerweile mit Two Crowns in der dritte Iteration, aufgestockt mit allerlei kostenlosen DLCs und einem tollen Koop-Modus per Splitscreen, gibt es kaum einen Titel, den ich in den letzten Jahren öfter gespielt hätte. Und so wunderte es kaum, dass das Spiel im letztjährigen Weihnachtsspezial auf einem wohlverdienten 2. Platz landete.

Und jetzt bringen die Entwickler doch nun tatsächlich eine kostenpflichtige Erweiterung namens NorseLands raus. Ja, genau, Wikinger! Mit Schnee und Thors Hammers und allem. Musste ich kaufen, sofort. Und zwar für… einfach alles: PC (eh klar), PS4, Xbox und jetzt auch noch Switch. Ich glaube, damit ist jede meiner Plattformen bedient, wobei, für Smartphones soll’s das doch auch geben, oder? ODER??! (bitte nicht).

Nun ja, zum Spielen reicht ja im Grunde auch nur eine Version. Und die zocke ich gerne allein und noch lieber mit meinem Sohn. Ich bin ehrlich stolz darauf, dass mein väterlicher Einfluss dazu geführt hat, dass er sich nicht für Fortnite interessiert, sondern lieber meine Kingdom-LetsPlays auf YouTube anschaut und mit mir darüber fachsimpelt, wie man an Lokis Stab kommt und was der alles so kann. Ich meine, das ist wie ein Ritterschlag für mich.

Zu den Besonderheiten von Norse Lands sei gesagt: Anders, als die kostenlosen DLCs haben wir hier ein paar deutliche spielmechanische Änderungen, die dem Spiel ein gewisses Maß an Würze und Abwechslung im Vergleich zum klassischen Gameplay verleihen. Etwa, dass die Mauern gar keine Mauern mehr sind, sondern auch in der höchsten Ausbaustufe lediglich aus Holzpalisaden bestehen und wir stattdessen einen Schildwall aus Einheiten in den Kampf schicken können. Oder die (Götter-) Artefakte, die zwar unheimlich geil sind, aber das Spiel vielleicht einen Tick zu einfach machen. 

Überhaupt muss man sagen: Im Vergleich zum allerersten Kingdom, das ein echtes Rogue Like war (sterben und wieder alles wieder von vorn beginnen) wird der Titel mit jeder neuen Version ein wenig freundlicher zum Spieler – kann man gut finden (ich find’s gut!), muss man aber nicht. Die einzige Forderung, die ich nun aber an die Entwickler habe: Bitte, bitte geht den nächsten Schritt und baut ein Kingdom 2 zusammen. Ich, und nicht nur ich, würde es euch mit zahlreichen Plattform-Käufen danken.


3. Age of Empires IV (PC)

Age of Empires 4, puh, das ist ein schwieriges Terrain. Schon allein die Platzierung richtig zu setzen, stellte sich als Herausforderung dar. Ursprünglich auf Platz 2 angedacht, musste ich am Ende zugeben, dass ich Kingdom Two Crown: Norse Lands dann doch deutlich mehr und lieber gespielt habe. Aber das mag auch daran liegen, dass AoE 4 einfach viel mehr Einarbeitung benötigt – viel mehr jedenfalls, als Kingdom und deutlich mehr als vorherige AoE-Teile. Und diese Zeit aufzubringen, das habe ich in den letzten Wochen (leider!) nicht ausreichend geschafft.

Das soll wahrlich keine Kritik sein. Im Gegenteil: Großes Lob an Microsoft an dieser Stelle, dass sie sich wirklich so intensiv um diese alt-ehrwürdige RTS-Reihe bemühen. Wer sich die Definitive Editions anschaut, grade die des zweiten Teils, wird wohl kaum einen Grund zu meckern finden. Schaut man sich die aktuelle Debatte um die GTA DE an, ahnt man, dass es auch anders hätte laufen können.

Und dass Age 4, um den Bogen zurück zum Einarbeitungsaufwand zu spannen, einige Sachen anders macht als seine Vorgänger und sich punktuell sogar am (zu Unrecht) ungeliebten dritten Teil bedient, das kann ich nur begrüßen.

Während wir im vielbesungenen AoE 2 zwar jede Menge Völker, aber wenig auffällige Unterschiede verzeichnen können, geht Relic Entertainment den ganz großen Schritt weiter: Teil 4 geht zwar nur mit acht Völkern an den Start, aber die unterscheiden sich in vielen wesentlichen Aspekten voneinander – militärisch, klar, aber vor allem auch wirtschaftlich und in Sachen Forschung. Und auch wenn die Unterschiede nicht ganz so gravierend ausfallen, wie bei einem Star- oder Warcraft: Um ein Volk wie die Mongolen oder das Abbasiden-Kalifat meisterhaft zu beherrschen, da kann schon ein wenig Zeit vergehen. Mehr noch sogar, wenn man sich auf die Fahne geschrieben hat, jedes der Völker spielerisch zu kapieren (was für ein Multiplayer-Match nicht unwesentlich von Vorteil wäre). 

Und dann hätten wir doch ja noch die Kampagne. Auch die spaltet die Gemüter – und das nicht ganz zu Unrecht. Man kann ja nun wahrlich nicht behaupten, dass die Missionen aus den Vorgängern erzähltechnische Meisterwerke gewesen wären – im Gegenteil: Die eine oder andere Kampagne brach ich hab, um nicht den Tod durch pure staubtrockene Langweile zu erleiden. Aber so manch‘ einem soll es ja schon etwas gegeben haben, einen bestimmten Charakter von Ernennung zum General bis zum bitteren Ende auf dem Scheiterhaufen begleitet zu haben. Nun ja, sowas bietet Age of Empires IV tatsächlich eher weniger.

Ich höre immer wieder, dass Leute, die Age of Empires 2 in ihrer Jugend gespielt haben, viel über das Mittelalter gelernt hätten. Ganz ehrlich: Wenn ihr was lernen wollt, dann spielt den aktuellen Teil. Der nimmt euch nicht nur in die (zeitlich abgrenzte) Entwicklung eines ganzen Landes und dessen größte Konflikte mit, sondern bringt euch noch nebenbei in freischaltbaren Dokumentarfilmen wirklich etwas bei – etwa wie Kettenrüstungen geschmiedet wurden oder was es denn nun wirklich mit den Trebuchets als Belagerungswaffe auf sich hat. Spannender werden die einzelnen Kampagnen-Missionen dadurch zwar nicht, aber deren Sieg viel lohnenswerter.

Insgesamt halte ich Teil IV für ein ausgesprochenes schönes Spielpaket, dem ich bislang leider viel zu wenig Zeit gewidmet habe, um es voll würdigen zu können. Die Rettung des RTS‘ ist es sicherlich nicht, aber die aktuelle die Speerspitze eines eigentlich ausgestorbenen Genres.


4. Halo Infinite (XSX)

Ich hätte mir ja nie (nie!) träumen lassen, jemals einen Halo-Titel in Kombination mit der Xbox in dieser Liste aufzuführen. Und das gleich aus mehreren Gründen.

Grund 1: Ich kann mit Halo überhaupt nichts anfangen. Ich mochte die sterile Optik nicht, schon als damals Teil 1 als großes Ding gehypt wurde. Ich kann dem Master Chief in seiner generischen Kampfrüstung nicht abgewinnen und überhaupt habe ich nie wirklich kapiert, was einige Leute denn nun so toll an Halo finden, nachdem sich am PC doch tausend andere, geilere Egoshooter tummeln.

Damit kommen wir auch schon zu Grund 2: Egoshooter spiele ich dann und wann ganz gerne. Far Cry 3 find ich beispielsweise ganz dufte, Crysis (Warhead) und Unreal Tournament (in vielen Versionen) ebenso. Nicht mein Lieblingsgenre, aber geht schon mal. Aber wenn, dann natürlich nur am PC. Mit Maus und Tastatur. Wie es sich gehört. An der Konsole mit Gamepad – das ist eine lachhafte Vorstellung, die ich nur Leuten zugestehe, die sich keinen potenten PC leisten können. Ein Egoshooter auf Konsole in meinen Top 5? Kommt deshalb gar nicht in Frage.

Und damit kommen wir zu Grund 3: Konsolen, speziell die Xbox, sind im Weihnachtsspezial eher selten vertreten. Warum speziell die Xbox? Naja, das alte Problem: Alles, was die Xbox hat, hat der PC ja auch, nur halt in besser. Deshalb wird man bei mir bei Konsolentiteln am ehesten noch irgendwas in Richtung Playstation oder Switch finden.

So und nun ist doch alles anders: Das im Vorfeld viel kritisierte (schon ab dem Zeitpunkt hatte ich nur ein müdes Lächeln für das Spiel übrig) Halo Infinite auf Xbox. Wie konnte es soweit kommen? Nun, ein paar Gründe gibt es: So habe ich mir die Stunde der Kritiker mit Langer und Lenhardt zu Gemüte geführt. Wahrlich ein großes Vergnügen, den über große Strecken unfähigen Jörg beim Sterben zuzusehen und wie ein Rohrspatz fluchen zu hören. Schon dachte ich mir: Die beiden geben am Ende ein vernichtendes Urteil. Und war erstaunt: Beide spielten das Spiel gegen Ende ihrer zwei Kritiker-Stunden mit Wonne weiter. Das gab mir zu denken. Zusätzlich beeinflusst von Flos Erzählungen in unserem Discord dachte ich mir: Komm, kost‘ ja nix, schaust halt mal rein. Aber wenn, dann erstmal auf der XSX – mit 4K, 120 Hz, Dolby Vision, Doly Atmos – halt mit allem, was moderne Technik so hergibt. Denn zugegeben: Weder mein PC, noch mein Monitor sind dazu in der Lage und wozu hat man denn diese ganze moderne Hardware im Wohnzimmer stehen? Da muss man halt auch mal in den sauren Controller-Apfel beißen – damit kam der Heini ja schließlich auch zurecht.

Zu meinem Erstaunen muss ich resümieren: Halo Infinite macht Spaß. Die Steuerung geht trotz (oder grade wegen?) des Controllers super von der Hand. Das Gameplay ist sehr süffig. Nicht zu schwer,  nicht zu leicht. Bisschen Open World, bisschen Story. Optik gefällig, Klangkulisse noch gefälliger. Der Greifhaken – ohja, der Greifhaken, der ist das Salz in der Suppe (sagt man).

Also was soll man sagen? Das Spiel macht insgesamt vieles richtig und lädt zum täglichen Weiterspielen ein. Dass es dennoch nicht ganz zum Treppchen-Platz gereicht hat, ist nicht nur der Konkurrenz geschuldet. Denn all die positiven Seiten, die ich dem Spiel grade attestiert habe, könnte man ihm auch negativ auslegen. Etwa die Optik: Ich meine, ja, das Spiel sieht gut aus. Aber wie die Speerspitze der Next Gen, die man ob der vermeintlich potentesten Konsole mit allen technischen Finessen (siehe oben) erwarten kann, auch wieder nicht. Nur die 120Hz, da will ich ehrlich sein: Ich will nie, nein kann (!), nie wieder einen Egoshooter unter 120 fps spielen

Anderes Beispiel: Die Open World: Ich find’s ja cool, dass ich hier Marines befreien und mir dort Vorposten zu Eigen machen kann. Aber die Open World kann eigentlich nichts. Hat selten Geheimnisse und kaum coole Orte. Manchmal reicht es ja auch, wenn man irgendwas erklimmt und dann einfach denkt: Oh, das hat sich allein für die Schönheit dieses Platzes gelohnt. Aber ehrlich gesagt gibt’s das bei Infinite auch nicht – da sieht einfach vieles, wenn nicht sogar alles, einfach gleich aus. Oft sehr schön, aber halt sehr schön gleich. Ist ja prima, dass ich mit dem Greifhaken überall hin kann – aber diesen Drang gewöhnt man sich schnell ab, spätestens dann, wenn man merkt, dass es Zeitverschwendung ist, überall hin zu können. Und auch bei der wirren Story und den unglaubwürdigen NPCs heißt es eher: Augen zu und durch(geschossen).


5. Orcs Must Die! 3 (PC)

Platz 5 in diesem Ranking hätten sich einige Spiele teilen können, aber letztlich habe ich mich für einen Titel entschieden, dessen beiden Vorgänger ich in den letzten Jahren bereits mit Genuss gespielt habe, auch wenn sich an der prinzipiellen Formel so gut wie nichts geändert hat.

Ursprünglich als ein Exklusivtitel für Googles Cloud-Gaming-Plattform Stadia gestartet, gibt es nun den dritten Teil, sehr kreativ als Orcs Must Die! 3 betitelt, auch seit einigen Monaten PC und Konsolen. Große Überraschungen darf man nicht erwarten: Noch immer spielen wir junge Zauberlehrlinge, die mit allerlei Fallen und Waffen im Gepäck versuchen müssen, ein Dungeon nach dem anderen gegen mehrere Wellen an Monster-Geschmeiß zu verteidigen. In der Vorbereitungsphase gilt es, den Kerker mit möglichst vielen bösartigen und geschickt platzierten Fallen auszustaffieren, um dann während der Angriffsphase alles wegzuballern, was unsere Fallen überlebt hat.

Ja, richtig gelesen: OMD! 3 ist im Grunde genommen ein Tower Defense-Spiel, aber eines, das sehr dynamisch ist und unheimlich fluffig zu spielen ist und mit seiner Third Person-Perspektive einem Fortnite gar nicht so unähnlich ist. Und da jede erfüllte Mission auch noch Skillpunkte einbringt, haben wir zusätzlich einen kleinen Rollenspielanteil drin.

Kurz gesagt: Der dritte Teil der Orc-Schlacht macht nicht viel anders als seine Vorgänger, macht dafür aber weiterhin unheimlich Spaß. Genug jedenfalls für meinen Platz 5 in 2021.


Enttäuschung 2021: Lieferschwierigkeiten der aktuellen Konsolen

Kurzzeitig hätte hier ein Spiel stehen sollen. Zur Auswahl standen Battle Axe, ein Top Down Action-Adventure im Stil von Gauntlet oder Chaos Engine, das mich durch die Bank weg enttäuscht hat oder alternativ Darkest Dungeon 2, das mich aktuell noch so gar nicht packen konnte, was für mich kein gutes Zeichen ist. Ich habe mich dann letztlich doch gegen beide Titel entschieden: Battle Axe ist zu unbedeutend, um als Enttäuschung durchgehen zu können und Darkest Dungeon 2 habe ich einfach zu wenig Zeit gegeben sich zu entfalten – insofern wäre das vermutlich eine unfaire Bewertung.

Geblieben ist etwas ganz anderes: Nämlich die Enttäuschung darüber, dass die aktuellen Konsolen, allen voran die PS5, aber auch die Xbox Series X (explizit nicht die S-Variante, die liegt als Ladenhüter zuhauf in den gängigen Elektronikmärkten), mehr als ein Jahr nach Release immer noch nicht regulär lieferbar sind. Klar, das ist auch der Pandemie und den Lieferengpässen geschuldet, aber es bleibt doch der mehr als skurrile Eindruck, dass nach so langer Zeit immer noch nicht einfach eine PS5 in den Warenkorb legen kann, um diese zu bestellen. 

Stattdessen immer noch das gleiche Spiel wie zu Release-Anfang: Es werden Kontingente auf den gängigen Plattformen online gestellt, die binnen weniger Minuten komplett ausverkauft sind. Diese Jagd nach der Konsole mag den einen oder anderen vielleicht sogar Spaß machen, aber irgendwann ist auch mal gut. Meine Vermutung: Bis die PS5 mal in normaler Stückzahl in den Warenhäusern liegt, gibt es bereits die erste große Revision – und auf die werde ich warten. Bis dahin vergnüge ich mich mit meiner bereits vor einigen Monaten ergatterten Xbox Series X, die (ich gebe es zu) mir durchaus schon Freude bei dem einen oder anderen Spiel bereitet hat.

 

Und der Rest?

Ja, es gab natürlich auch noch eine Reihe von Spielen, die es (vielleicht) verdient hätten, in die Top 5 zu kommen. Nehmen wir Loop Hero, bei dem ich einige Stunden auf dem Tacho habe und das durchaus, trotz 8-Bit-Charme, Spaß gemacht hat. Oder Mass Effect Legendary Edition. Das habe ich mir zwar gekauft, aber zumindest nicht zum Vollpreis, und hätte es auch gerne länger gespielt, aber über mehr als 2-3 Spielstunden bin ich aus Zeitgründen leider nicht gekommen. Ein weiterer Kandidat ist Dead Cells, zu dem ich ja immer noch ein Langzeit-Lets Play betreibe und das mir auch 2021 sehr viele schöne Stunden bereitet hat. 

Grenzwertiger war hingegen Dragon Quest XI. Ich mag ja bekanntermaßen keine JRPGs, aber Dragon Quest lässt einen schon weiterspielen und macht auch dann und wann Spaß, aber andrerseits gibt's auch viele Momente, in denen man denkt: Das geht doch jetzt nicht ewig so weiter, oder? Da muss doch jetzt irgendwann mal etwas kommen, das ich total cool finde? Aber doch, in meinen bisherigen (knapp) 10 Spielstunden hat das Spiel genau das getan: Es bleibt auf einem konstant OKen Niveau. Leider bisschen wenig für eine Top 5. 

Am wehesten tat mir tatsächlich die Entscheidung, It Takes Two nicht in die Top 5 zu packen. Neben Kingdom eines der wenigen Spiele, ich ich dieses Jahr im Koop gespielt habe. Und dennoch: die anderen Titel haben mir noch einen Ticken mehr Spaß gemacht. Ein weiterer Kandidat für die Bestenliste wäre Inscryption gewesen. Dieses scheiterte leider am Zu-spät-komm-Syndrom: Als ich meine ersten Stunden mit diesem skurrilen Kartenspiel absolvierte, standen die Top 5-Spiele leider schon fest. Aber dafür gibt's ja dann das Weihnachtsspezial 2022 :)

Ich könnte jetzt hier noch mehr aufzählen, aber ich glaube, ihr habt jetzt einen recht guten Eindruck von meinen Spielauswahl-Kriterien bekommen. In diesem Sinne: Macht's gut, guten Rutsch ins neue Jahr und: Wir bleiben in Kontakt :)
Weihnachtsspezial 2021

Terminplan:

Es ist Heilig Abend. Draußen rieselt leise der Schnee. Die Glöckchen klingelingelingen und irgendwo ist ein Ros' entsprungen. Und zu allem Glück wartet der zweite Podcast-Teil des Weihnachtsspezials auf euch. Wieviel besser kann der Tag wohl noch werden? :)

Auch in Teil 2 plaudern Kai (Kawie)FloBenni (Vampiro)Patrick (MajorPanno) und Alex (Sothi) emsig und ausufernd über ihre Plätze 3 bis 1

An dieser Stelle noch ein Hinweis in eigener Sache: Denkt bitte auch an den morgigen Tag, denn am 25.12. geht zusätzlich zum Podcast noch ein umfangreicher Artikel von mir online, in dem ich meine Top 5 nochmal sehr detailliert beleuchte.

Gewinnspiel!

Und weil heut’ scho’ Weihnachten ist, haben wir uns überlegt, noch einen drauf zu legen: Wir veranstalten ein Gewinnspiel, das allerdings an ein kleines Quiz gekoppelt ist. Wer die richtige Antwort auf die beiden folgenden Fragen per Mail an ws2021 (at ) levelattack (punkt) de schickt (Betreff “Weihnachtsspezial 2021“), erhält die Chance auf ganze 3 Monate Gamepass Ultimate. Das bietet sich in unseren Augen ziemlich gut an, da (Achtung Spoiler!) ein nicht unerheblicher Teil der genannten Spiele in eben jenem Gamepass zu finden ist und ihr so die Möglichkeit bekommt, unsere super-tollen Spieletipps auf PC, Konsole oder per Cloud einfach nachzuspielen 

Jetzt zu den Fragen:

  1. Was ist Kais Enttäuschung 2021?
  2. Welches Spiel hat Benni für 2021 auf Platz 1 gewählt?

Einsendeschluss ist der 31.12.2021. Verlost wird unter allen Einsendern (mit richtigen Antworten ;). Der Gewinner kriegt den Code per E-Mail mitgeteilt. Der Rechtsweg ist natürlich ausgeschlossen.

Wir möchten diesen Podcast außerdem nutzen, um uns für die vielen Jahre der Treue und Zuneigung zu bedanken. Wir versprechen euch auch für 2022 sehr unregelmäßig und ganz sicher auch nicht hochprofessionell, aber dafür mit sehr viel Liebe und Herzblut Podcasts über alle mögliche Nerd-Themen zu produzieren -- eine ganze Spielwiese voller Spaß, sozusagen.

Wir wünschen euch ein ganz tolles und gesegnetes Weihnachtsfest 2021, einen guten Rutsch ins neue Jahr und bitte bleibt gesund!

Euer Sothi

>>> Zum Weihnachtspezial - Teil 2 (Spielwiese Podcast unter podcast.sothi.de)

Weihnachtsspezial 2021

Terminplan:

Und damit beginnen wir bereits angekündigt mit Teil 1 des wunderbaren Weihnachtsspezials 2021.

Kai (Kawie)FloBenni (Vampiro)Patrick (MajorPanno) und Alex (Sothi) plaudern emsig und ausufernd über ihre Plätze 5 bis 4, sowie über ihre Enttäuschung 2021.

>>> Zum Weihnachtspezial - Teil 1 (Spielwiese Podcast unter podcast.sothi.de)

In Teil 2 folgen dann die Platzierungen 3 bis 1. Und wir haben auch noch ein kleines großes Gewinnspiel geplant -- dazu aber erst morgen mehr. Denn jetzt erstmal viel Freude mit unserem ersten Teil.

Weihnachtsspezial 2021

Terminplan:

Mit Jubiläen habe ich es im Allgemeinen nicht so. Und doch, es gibt da das eine Datum, dieses eine Event, das ich Jahr für Jahr unheimlich gerne zelebriere. Ihr werdet es erraten haben, ich rede von dem traditionellen Weihnachtsspezial, das es fast so lange wie Sothis Spielwiese gibt.

Und pünktlich wie jedes Jahr bringen wir euch das Spezial direkt zum Fest der Liebe aufs Tablett -- klar, sonst wäre der Name Weihnachtsspezial auch irreführend. Und wir befinden uns im 13. Veröffentlichungsjahr -- eine für diese schnelllebige Branche gar nicht mal so schlechte Zahl und für mich immer wieder ein freudiges Ereignis: Denn auch wenn auf diesem Blog lang nicht mehr soviel läuft, wie vor einigen Jahren, so bleibt die Institution des Spezials doch unangetastet -- und das ist auch gut so! 

Auch dieses Jahr lassen wir es ein wenig gemächlicher angehen und so haben wir uns diesmal erneut dafür entschieden, die geschriebenen Artikel wegzulassen und das Ganze als groß angelegten Podcast zu präsentieren. Einzige Ausnahme: Meine eigenen Top 5 werde ich euch zusätzlich am 25.12. als kleinen Artikel präsentieren.

Der Weihnachtsspezial Podcast wird im Rahmen des Spielwiese Podcast (http://podcast.sothi.de) erscheinen. Aber natürlich wird es auch hier im Blog ein Posting dazu geben.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen ein besinnliches Fest und viel Spaß mit dem anstehenden Weihnachtscontent hier auf Sothis Spielwiese.

Das große Weihnachtsspezial 2021: Was ist das?

Um was es genau geht: Alle Autoren verraten euch ihre persönlichen Top 5 Games für das Jahr 2021 – natürlich nicht einfach nur als reine Aufzählung, sondern mit ausführlicher Erklärung zum Warum und Weshalb. Komplettiert wird das Ganze mit dem Titel, den jeder Autor als seine ganz persönliche Spiele-Enttäuschung 2021 ansieht.

Der Clou dabei: Hier geht es nicht darum, welche Spiele 2021 erschienen sind, denn solcherlei Aufzählungen gibt es bereits genug im Netz. Nein: Die Spielwiese Podcaster verraten euch, was Ihnen 2021 am meisten Spaß gemacht hat – das kann ein uraltes Retrogame sein oder ein brandaktueller Blockbuster. Release-Datum egal!

Mit dabei ist der komplette reguläre SWP-Staff: Kai (Kawie), Flo, Benni (Vampiro), Patrick (MajorTeacher) und natürlich der Alex (Sothi). Ihr sehr also, wir feuern für dieses Event aus allen Spielwiese Podcast-Rohren :)

Geplant ist die Veröffentlichung des Podcasts in zwei Hälften: am 23.12. (Teil 1) und am 24.12. (Teil 2).

Und so heißt es auch 2021 wieder: Weihnachtsbaum, Weihnachtsgeschenke, Weihnachtsgans – alles schön und gut, doch wenn die Lichter ausgehen und langsam Ruhe eingekehrt, schnappen wir uns unser Tablet, das Smartphone oder den Laptop, rufen Sothis Spielwiese auf und erfreuen uns am besten Spezial des Jahres. 

In diesem Sinne,
Euer Sothi

Wir drehen uns im Kreis!

Loop Hero vereint Taktik-/Strategie-/Deckbuilding- und Rollenspielelemente, packt das Ganze in einen MS-DOS Pixellook und hängt uns die Rogue-Lite-Karotte vor die Nase. So weit, so bekannt, so unspektakulär. 

Es gibt aber Besonderheiten. Zum Einen: Vieles, was auf dem Bildschirm passiert, passiert vollautomatisch. Unser Held bewegt sich ohne unser Zutun ständig im Kreis, die Kämpfe werden weitgehend autark ausgefochten und unser Ausrüstungsbeutel füllt sich wie von magischer Hand -- Auto-Collect sei Dank. 

Zum Anderen können wir die Schwierigkeit und die Gegnerauswahl im Grunde selbst bestimmen: Durch die Platzierung von spezifischen Gebäuden, Einrichtungen und Landschaften tragen wir aktiv zur Auswahl und zur Menge der sich uns in den Weg stehenden Gegner bei. 

Das klingt erstmal wie Selbst-Geißelung (warum sollte man freiwillig Friedhöfe und Vampirschlösser platzieren, die uns das Leben schwer machen?), trägt aber zur besseren Ausrüstung und vor allem dem Aufbau eines beachtlichen Ressourcenstapels bei. Mit den Ressourcen wiederum bauen wir unser Basislager weiter aus und haben damit in der nächsten Expedition (buchstäblich!) bessere Karten, bis zum Ende des Kapitels zu kommen und den dazu passenden Boss niederzustrecken. Letzteres ist also der Rogue-Lite-Anteil von Loop Hero

Zum LOOP-Hero Let's Play

Die last, but not least-Besonderheit: Der namensgebende Loop, also das permanente im Kreis laufen.

Das klingt erstmal ziemlich dämlich und latent öde, entwickelt sich aber mit wachsender Spiel-/ bzw. Loop-Dauer zu einem spaßigen Run, bei dem es eigentlich darum geht, den richtigen Zeitpunkt für den Absprung zu schaffen. Denn nur wer sich eingesteht, dass er/sie eine weitere Runde möglicherweise nicht überlebt, kann die aktuelle Expedition mit all' den gesammelten Ressourcen verlassen. Wer den Absprung hingegen nicht oder zu spät schafft, also zu selbstsicher in die nächste Runde geht, verliert bis zu 70% der Aufbaumaterialien und hat den Run damit nahezu umsonst gemacht.

Fazit:

Das Spiel sieht wirklich hässlich aus und man fragt sich schon, warum man hier nicht einen schöneren Pixellook gewählt hat -- zumal die Optik auch noch Nachteile bringt, weil es in höheren Loops kaum noch möglich ist, in dem Gewusel unsere eigene, unscheinbare Spielfigur auszumachen. Aber sei's drum, Optik ist ja nicht alles. Dafür weiß die Chiptune-Musik sehr zu gefallen und auch in Sachen Handhabung und Interface gibt es nix zu meckern. 

Am Besten finde ich tatsächlich den sich schnell einstellenden Spielflow und die eingängigen Mechaniken: Hat man erstmal kapiert, was man machen muss, flutscht das Spiel richtig von der Hand. Außerdem reizt mich die Tiefe und Komplexität: Anfangs noch recht überschaubar, kann man dank Basis-Ausbau später auf weitere Klassen wechseln (zu Beginn ist man nur Krieger), die dann weitgehend andere Optionen eröffnen. Auch das Kombinieren der Karten (3x3 Felsen ergeben einen Berggipfel, Wiesen blühen auf, wenn man sie richtig legt, und und und) gibt dem Spiel eine gewisse Tiefe und es dauert schon eine Weile, bis man alle Kombinationen und Karten kapiert oder freigeschaltet hat. 

Das ist allerdings auch ein kleiner Nachteil von Loop Hero: Viel wird einem nämlich nicht erklärt. Das Tutorial deckt grade mal die Basics ab, aber sämtliche Wechselwirkungen muss man leider alleine herausfinden und das klappt nur durch Zufall und Ausprobieren. 

Insgesamt für schmale 15 Taler ein unscheinbarer, aber ziemlich süchtig machender Genremix mit ein paar Alleinstellungsmerkmalen, den ich jedem empfehlen möchte, der sich für die dargestellte Mechanik erwärmen kann und mit der Optik einigermaßen zurecht kommt.

Wertung: 10 / 12


Als verstoßener Königssohn sein Dasein in einer Gefängniszelle fristen – das kann weder der Anspruch des Prinzen, noch der des Spielers sein und dennoch: Wir beginnen das Spiel als genau dieser Königssohn in eben jener Gefängniszelle. Schlimmer noch: Ich (als Spieler) weiß noch nicht einmal, wie ich dort hinein gelangt bin. Der Prinz hingegen weiß es schon, wird mir die Geschichte aber erst im Laufe meines Abenteuers zuteil werden lassen – und zwar immer dann, wenn ich ein kleines Stückchen weiter komme.

Und während wir noch über die Ungerechtigkeit dieser Welt sinnieren, tut sich plötzlich ein Weg nach draußen auf: Die Gefängniszelle fällt nämlich einfach um und lässt uns nach draußen. Jackpot! Jackpot? Von wegen: Die Zelle ist ganz unten, also in den tiefsten Tiefen des Kaninchenbaus, während der Ausgang ganz oben beheimatet ist. Das wäre an für sich nicht so schlimm  --- die paar Leitern hochklettern kriegen wir noch hin -- nur leider ist der Weg in die Freiheit von unendlich vielen Monstern gespickt, die uns halt nicht durchlassen, also zumindest nicht freiwillig. Und jetzt der Clou: wenn wir sterben, können wir keinen Spielstand laden, sondern müssen wieder ganz von vorne anfangen… 

Wem das Prinzip bekannt vorkommt, hat vielleicht vor 40 Jahren Rogue gespielt, oder irgendwas, was heute als so genanntes Rogue-Like durchgeht. Dabei ist das Ein-Mann-Entwicklungsteams namens Damian Schloter gar nicht sooo brutal zu Werke gegangen: Wer stirbt, beginnt zwar wieder in jener Zelle, darf aber trotzdem einen sehr deutlichen Fortschritt verzeichnen. Spiele solcher Art werden ja dann auch gerne unter dem Begriff Rogue LITE geführt, weil sie uns eine Karotte mit der Aufschrift "Progress" unter die Nase halten.

Im Detail sieht das so aus, dass wir für jede hinter uns gelassene Monsterleiche obligatorische Erfahrungspunkte einheimsen. Jedes dadurch gewonnene Level lässt uns drei Attribute (Stärke, Geschick, Intelligenz) mit je 4 Punkten/Levelaufstieg pimpen. Außerdem bekommen wir für jede zweite Stufe (oder so) die Möglichkeit, einen permanenten Punkt in eine Art Skillsystem zu investieren. Skills können zum Beispiel Schleichangriffe sein oder besondere Fähigkeiten im Umgang mit Zauberstäben. Eine komplette Übersicht aller Skills, die man in einem Run erhält, hat man nicht, weil diese bei den Levelaufstiegen zufällig vergeben werden oder durch Gegenstände hinzukommen. Ein permanenter Punkt auf einen dieser Skills bewirkt jedoch, dass wir den Skill(-level) nach unserem Ableben behalten – und das ist ein wesentlicher Vorteil. 

Auch von Vorteil: Selbst wenn wir sterben, behalten wir den Großteil der vergebenen Attributspunkte und verlieren „lediglich“ einen unserer Level, dafür geht allerdings die gesamte Ausrüstung hops. Aber selbst die kann man über eine Art Flaschenpostsystem an den nächsten Run weitergeben, wenn man vor seinem Ableben daran gedacht hat – man möchte hier also fast schon von einem Rogue Extra-Lite sprechen.

Rogue? Ausrüstung? Skills? Attributpunkte und Levelaufstiege? Ja, das alles klingt erstaunlich stark nach einem Rollenspiel und wer bei dem Erklimmen der Gefängnisebenen Assoziationen mit dem legendären Grimrock bekommen hat, liegt nicht völlig falsch. Falsch liegt man hingegen, wenn man von einem 90° tilebasierten Dungeon Crawler ausgeht – denn hier ist Geschwindigkeit angesagt: Grade wenn man einen Run mehrmals wiederholt, schnetzelt man sich mit einem Wahnsinnstempo durch die Gegnermassen der unteren Stufen und nutzt dabei Mechaniken eines weiteren Spiels – nämlich Dark Messiah of Might&Magic: Gegner können munter in bösartige Tiefen heruntergestoßen werden und sind dankbare Opfer für die überall verteilten Stachelfallen. Auch immer gern genutzt: Ein beherzter Schubser in eine offene Feuerstelle und unser Kontrahent kann im nächsten Fanta 4-Streifen als Human Torch sein Unwesen treiben. Wenn ich dieses Spiel also beschreiben müsste, würde ich sagen: Ein Mix aus Rogue, Dark Messiah und einem typischen Dungeon Crawler – nehmen wir einfach den besagten Grimrock her oder vielleicht das gehaltvollere Ultima Underworld, weil’s doch 360°-Drehungen mit Bitmap-Gegnern einführte – genau wie das hier vorliegende Slasher’s Keep!

Fazit:


Slasher’s Keep hat auf den ersten Blick nicht viel zu bieten: Die Optik kommt zwar im erfrischenden Cell-Shading-Look daher, mutet aber sonst eher skuril an, insbesondere sobald man bemerkt, dass die Gegner als 2D Bitmaps in der Spielwelt herumwandern (oder auch liegen), ganz so wie wir es noch aus guten alten Ultima Underworld-Zeiten gewohnt sind (oder wie bei Meridian 59, falls das irgendwer kennen sollte). 

Aber der Schein trügt: Ich hatte für schlappe 14 Euro ja schon lange keinen solchen Spaß mehr, denn das Spiel macht so verdammt viel richtig: Es lässt uns zwar ständig neu beginnen, aber motiviert ungemein durch den Fortschritt, den wir letztlich machen. Es wirkt irgendwie simpel, hat aber mit den ganzen Skills, den vielen Gegnertypen und den unzähligen Ausrüstungsgegenständen dann doch wieder Tiefe.

Hinzu kommen solche kleinen, aber feinen Mechanismen wie das Verschicken der Ausrüstung in den nächsten Run oder der sporadisch verteilte Händler – denn der ist einem klassischen Dungeon Crawler mitnichten eine Selbstverständlichkeit! Außerdem mag ich das Schmatzgeräusch, wenn sich unser Held Essen einwirft, um die Lebenspunkte zu regenerieren.

Wenn ich wirklich etwas zu bemängeln hätte, dann dieses: Die Leichen und auch alles, was man so zerstören kann (und das ist leider nicht viel), sind zwar mit einem Physikmodell versehen, aber das Ganze macht im besten Fall einen unfreiwillig komischen Eindruck, im schlechtesten Fall stört das Zeug einfach, weil man nicht gescheit darüber hinweg laufen kann und sich unsere Figur desöfteren irgendwie "verkantet". 

Wertung: 10 / 12