Yes, Your Grace hebt ein neues Genre aus der Taufe: Den Thronsaal-Simulator. Wobei, so ganz stimmt das nicht. Ich hole ein wenig aus.

Bei Yes, Your Grace handelt es sich um einen Königreich-Manager mit RPG Elementen. Der Kern des Gameplays ist in der Tat der Thronsaal, in dem wir als König Entscheidungen treffen. Wöchentlich versammeln sich verschiedenste Personen (bisweilen auch die eigenen Familienmitglieder) vor unserem Thron in Reih' und Glied' und bitten um Audienz. Immer mit dabei: Eine Bitte. Die einen wollen Geld, um eine teure Medizin für ein erkranktes Kind zu kaufen. Die nächsten bitten darum, dass wir unseren General im Dorf vorbeischicken, weil marodierende Horden das Umland terrorisieren. Manchmal dürfen wir auch investieren: Zum Beispiel in den Bau einer Taverne, die uns fortan als Teilhaber etwas Geld in die klammen Staatskassen spült.

Nicht jede unserer Entscheidungen ist richtig -- ein wenig Menschen-, pardon, KI-Kenntnisse muss man schon mitbringen und manchmal kann man es auch gar nicht richtig machen, egal wie unsere Antwort lautet. Fast wie im richtigen Leben. Oder wie bei dem minimalistischen REIGNS (das Spiel, bei dem man Karten hin- und herswiped). Und genau wie dort gibt es auch in Yes, Your Grace oft kein richtig oder falsch, sondern nur das kleinere Übel.

Das zweite Gameplay-Element ist ein kleiner Wirtschaftspart. Jede Woche werden die Ressourcen abgerechnet: Einnahmen und Ausgaben von Gold und Vorräten. Außerdem spielt unsere Truppenstärke und die Moral des Königsreichs eine Rolle. Wer möchte, kann sein Gold an dieser Stelle investieren: Zum Beispiel in die Hochzeit unserer Tochter oder in ein lukrativ anmutendes Geschäft. Manchmal sind wir auch gezwungen, unser Geld von der Eisernen Bank von Bravo... äh halt Geld einer Bank zu leihen. Wer sich die Zinsen leisten kann, versteht sich. Großen Sprünge kann man jedenfalls nicht machen: Dafür, dass das Königreich in schönster Pracht erstrahlt, ist es erstaunlich verarmt und wird anfangs von gerade mal 100 Soldaten beschützt.

Apropos Pracht: Die Optik des Spiels wurde in einem 16-Bit-Pixellook realisiert, der mir sehr gut gefällt. Gleiches gilt für die Musikuntermalung, wobei hier besonders die Titelmelodie heraus sticht. Einzig die Sprachausgabe nervt mich: Dass man ein 7000$ Kickstarter-Projekt nicht professionell vertonen kann, verstehe ich. Aber dieses Fantasy-Gebrabbel nervt eher, als dass es nützt. Möglicherweise hätte man sich dieses Feature daher komplett sparen können.

Das dritte und letzte größere Gameplay-Element würde ich in die Kategorie Grafik-Adventure verorten -- allerdings abzüglich der Logikrätsel: Wenn die Audienz durch ist, läuft man durch sein Schloss, besucht Schlafzimmer, Schlossgarten oder Ratsraum und interagiert in Multiple Choice-Konversionen mit Familienmitgliedern und anderen NPCs. Dieser Teil ist, gerade was die Gespräche mit Frau und Töchtern angeht, eher nervig. Zwar berührt mich das Schicksal meiner ältesten Tochter dann doch ein wenig, aber letztlich klickt man sich möglich schnell durch, um den nächsten Audienztag durchführen zu können (die Audienzen sind nämlich um einiges spannender).

Fazit:
Zusammengenommen haben wir es hier mit einem netten, kleinen Indie-Genremix in toller Pixeloptik zu tun. Das Spiel ist wirklich sehr liebevoll gemacht und auch wenn die Einzelteile (Wirtschaft, Adventure) eher seicht sind, funktioniert das Spiel als Gesamtpaket ziemlich gut. Gewisse Anspielungen an Game of Thrones (wie sie auch in REIGNS zu finden sind), haben sich im Übrigen bestimmt nur rein zufällig in das Spiel verirrt ;)

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