Aus gegebenen Anlass, der natürlich etwas mit dem neuesten Total War-Spross Empire zu tun hat, habe ich mir gedacht, ich erstelle mal eine Chronik über alle bisher erschienenen Total War-Vertreter. Dass dabei allerdings ein so umfangreicher Artikel wie dieser herauskommen würde, hätte ich nicht gedacht und so präsentiere ich die Total War Historie in zwei Teilen. Teil 1 behandelt die beiden Pioniere der Serie: Shogun und Medieval.

Teil 2: Rome, Medieval 2 & Empire findet ihr unter diesem Link.


Dass ich bereits als 14jähriger Amiga-Besitzer, ohne es zu wissen, mit der Total War-Serie in Kontakt treten sollte, hätte zu diesem Zeitpunkt niemand ahnen können -- nicht einmal The Creative Assembly selbst. In der Tat begab es sich in jener Zeit, dass ich mir mit meinen sauer erspartem Taschengeld ein Brettspiel gönnte, das aus dem Hause MB stammte und den Namen Shogun (später bekannt als Samurai Swords) trug. Warum ich mir ausgerechnet ein 130 DM teures Exemplare aussuchen musste, läßt sich rückblickend nur mit der überwältigenden Größe der Spielepackung erklären, die einiges an hochkarätigen Innereien vermuten ließ.

Und ich wurde nicht enttäuscht: Shogun ist ein imposant aufgemachter Vertreter seiner Gattung, wie man ihn heutzutage nur noch Spielen der Marke Fantasy Flight Games findet: Die Figuren sind toll ausgerarbeitet, das Brett riesengroß und toll illustriert und die Packungsbeilagen verdienen wahrlich das Wort üppig. Üppig und komplex sind aber auch die Regeln, die, wie ich heute zugeben muss, meinen Kumpel und mich regelrecht überforderten. Tatsächlich haben wir Shogun bis heute nicht ein einziges Mal bis zum Ende durchgespielt, daher reifte mir bei schon sehr früh folgender Wunsch: Was wäre, wenn ein derart ausgefeiltes Brettspiel als Computerumsetzung erscheinen würde und sich der Rechner um all die komplizierten Regeln im Hintergrund kümmern müsste und man selbst einfach nur noch spielen könnte?

Wenige Jahre später geriet mein Wunsch in Erfüllung: The Creative Assembly, damals noch ein unbekanntes Entwicklungsstudio, baute auf Basis der Brettspiel-Lizenz ihr erstes Total War-Spiel -- eine neue Reihe war geboren.

Shogun Total War
Shogun - Total War

Die Total War-Reihe zeichnet sich seit jeher durch die Teilung in zwei Spielvarianten aus: Die globale Stratgiekarte, auf der ähnlich wie bei Risiko Einheiten verschoben, Gebiete besetzt, Gebäude gebaut und für Truppennachschub gesorgt wird. Und die eigentliche Kampfphase, bei der das Geschehen aus der Sicht eines Generals gezeigt wird, der vor Ort seine Truppen befehligt. Während der erste Part rundenbasiert ist und der Stratege sich alle Zeit der Welt lassen kann, um seine Schritte genau zu planen, ist der Taktikteil deutlich echtzeitlastiger: Zwar gibt es hier einen Pausemodus, um den Truppen Befehle zu erteilen, aber das eigentliche Kampfgeschehen läuft in Echtzeit ab.

Durch die schiere Masse an Truppen kommt in der Tat ein "Total War"-Feeling auf: Wenn sich einige Tausend Einheiten auf dem Schlachtfeld tümmeln und der Gegner durch vorsorgliche Bogenschützen-Angriffe dezimiert und durch gut getimte Flankenangriffe der Reiterei auseinander genommen wird, fühlt sich der Spieler als echter General. Positiv machen sich hier vor allem die historischen Bezüge bemerkbar, die sich beispielsweise auf die verfügbaren Truppentypen auswirken. Einige taktische Finessen wie ein Moralsystem, das Verbände, die stark an Boden verlieren oder den Verlust ihres Generals beklagen müssen, zu panikartigen Fluchtversuchen veranlasst, tun ihr Übriges, um den Eindruck eines realen Schlachtfeldes zu untermauern.

Shogun Total War
Das Schlachtfeld wirkt mit seinen Bitmap-Verbänden recht spartanisch

Ein weiteres Erbe, das Total War bis heute sich rumträgt, ist die durchwachsene KI. Obwohl sich diese in den meisten Situationen durchaus sehen lassen kann, kommt es insbesondere auf dem Schlachtfeld immer mal wieder zu Komplettaussetzern, in denen der Feind einfach nicht in der Lage zu sein scheint, eine Stadt zu erobern oder seine Truppen wirr von einem Ort zum anderen schickt. Auch diplomatische Reaktionen auf der Strategiekarte (etwa bei der Bündnistreue) gehörten nie zu den Stärken der Serie -- aber an diesem Thema haben sich auch die Civilizations dieser Welt bereits ihre Zähne ausgebissen.

Grafisch kam Shogun durchweg zwiespältig daher: Auf der einen Seite musste man natürlich die Verwaltung der schieren Masse an Truppenverbänden auf der Habenseite verbuchen (das wurde bis dato in keinem anderen Spiel gestemmt), auf der anderen Seite sahen die Truppen, die durchweg als eindimensionale und pixelige Bitmapverbände dargestellt wurden, alles andere als imposant aus. Auch die Kartenansicht im Globalmodus ist ein zweischneidiges Schwert: Da sie prinzipiell die Brettspielkarte abbildet, sieht sie einerseits recht unspektakulär aus, andrerseits wirkt sich besonders durch die aufgeräumte Oberfläche sehr zugänglich und stilsicher. Shogun wird damit auch der übersichtlichste und eingängiste Teil der Total War-Serie bleiben.

Shogun Total War
Strategiekarte wie beim Spielbrett: Einfach, aber übersichtlich.

Aufgelockert wird das Spiel immer wieder durch kleine gerenderte Videosequenzen, die teils witzig in Szene gesetzt werden. Ausgerechnet der erste Teil der Serie sticht dabei durch die Masse und Qualität der Videos heraus, spätere Teile schwächeln in dieser Beziehung etwas. Ein weiteres Markenzeichen von Total War ist die beruhigende, ja fast schon sphärische Musik, die den Spieler vor allem auf der Strategiekarte begleitet -- natürlich stets passends zum Szenario. So darf man sich in Shogun über asiatische Klänge freuen, die das Japan-Szenario klasse unterstreichen.

Insgesamt wird Shogun Total War zwar zu einem Achtungserfolg, kann sich verkaufszahlenmäßig aber nicht richtig durchsetzen. Vermutlich ist hier das Nippon-Szenario schuld, das auf dem amerikanischen und europäischen Markt auf keine allzugroße Gegenliebe stößt. Shogun ist auch das einzige Spiel, das in der Erstauflage in einem richtigen Eurokarton verkauft wird. Alle folgenden Teile müssen sich mit dem Dilemma der DVD-Box rumschlagen, was beispielsweise zur Folge hat, dass die total vollgestopften DVD-Cases nicht mehr richtig schließen. Die Schlüsse, die der Hersteller in späteren Teilen daraus schließen ist, einfach einige Beilagen, etwa den traditionsgewachsenen Technologiebaum, einfach wegzulassen.

Shogun Total War: Mongol Invasion

Standardmäßig wird jedem Total War-Spiel ein Add On spendiert, welches per default selten den Kauf wert zu sein scheint (anders als etwa bei Blizzards Add Ons, die dem Vollpreisspiel zur Ehre gereichen). Die Erweiterung zu Shogun hört auf den Namen Mongol Invasion und erweitert das Hauptspiel um den Aspekt der monglischen Invasion (neue Kampagnen rund um Kublai Khan, sowie einige neue Einheiten).

Medieval Total War
Medieval Total War

Da das Total War-Spielprinzip grundsätzlich für Aufsehen gesorgt hatte, aber der Asia-Hintergrund in westlichen Breitengrade nicht gut ankam, wurde auf Basis der Shogun-Engine ein weiteres Spiel entwickelt. Dieses hörte auf den Titel Medival Total War und war, wie könnte es anders sein, im europäischen Mittelalter zwischen 1087 bis 1453 angesiedelt.

Die Spielkarte wurde mit Medieval um einiges größer, komplexer und unübersichtlicher. Die Spielsteine für Diplomaten, Spione, Prinzessinnen, Geistliche (ja, hier kam dann erstmals der Aspekt der Religion mit hinein) und natürlich die eigentlichen Armeen ließen Runde für Runde ein wahres Zuggewusel auf dem Spielbrett Europas stattfinden. Und mittendrin durfte sich der Spieler aus 12 spielbaren Völkern und über 100 Einheitentypen gegen die restlichen Nationen durchsetzen.

Grafisch war Medieval kein großer Schritt nach vorne, auch wenn man in den Schlachten nun ein paar Tausend Einheiten mehr befehligen durfte. Musikalisch hingegen gehört Medieval (1) zu meinem persönlichen Toptitel. In keinem anderen Teil umschmeichelte und beflügelte der Soundtrack meine Gedankengänge mehr als in diesem Spiel.


Medieval Total War
Schlachten sahen auch schon in der ersten Total War-Engine bisweilen beeindruckend aus.

Was in der mittelalter-Variante besonders ins Gewicht fällt sind das Thema Diplomatie und der Rollenspielaspekt bestimmter Einheitentypen (Generäle, Erben, Spezialfiguren), der sich durch das Erlangen von Merkmalen bemerkbar macht. So kann es beispielsweise sein, dass wir einen durch und durch schwachsinnigen Erben haben, während sich unser Zweitgeborener durch körperliche und geistige Höchstleistungen auszeichnet. Was läge da näher, als den ungeliebten Nachfolger in einem Selbstmordkommando in Richtung gegnerisches Terrain zu schicken? Auch stellt sich bei Medieval immer wieder die Frage, ob man sich gegen die aufdringlichen Nachbarn nicht mit einem Bündnis oder anderen diplomatischen Mitteln zumindest ein wenig Luft verschafft.

Medieval Total War
Monarchen und andere Spezialeinheiten besitzen Charakterwerte

Doch letztlich ist auch beim Mittelalter-Setting Total War angesagt und wer sich im Laufe einer Partie als zu mächtig erweist, wird schon alsbald mit einigen Nationen einen Mehrfrontenkrieg liefern dürfen und so etwas macht insbesondere bei Fraktionen wie dem Heiligen Römischen Reich Spaß, die im Herzen Europas angesiedelt und damit per se von feindlich gesinnten Nationen umzingelt sind.

Unterm Strich wird Medival Total War für viele auf lange Zeit der beste Teil der Total War Reihe bleiben, da hier sowohl das Spielkonzept, als auch der geschichtliche und geographische Rahmen auf sehr viel Gegenliebe stößt. Nur die Grafikengine ist spätestens jetzt reif für's Altersheim.

Medieval Total War: Viking Invasion

Mal wieder eine Invasion, diesmal dürfen die Wikinger ran. Drei neue Nationen und ein neues Szenario (Angriff der Wikinger auf England) bilden den Kern dieses recht unspektakulären Add Ons.

2 responses to "Die Total War Historie. Teil 1: Von Shogun bis Medieval"

  1. Ich hatte mit einem Freund damals Shogun gespielt. Wir waren in der U-Beratung tätig. Die ganze Woche im Hotel. Beamer der Kundenpräsis im Hotelzimmer. Laptop mit 3D-Karte. Also im Hotelzimmer an die Wand die Graifk geworfen und mit dem Laserpointer hat einer dem anderen die Anweisungen gegeben.

    Was für ein Spaß - als echter General :P

  2. Muss ja leider zugeben, die Taktikschlachten an sich sind nix für mich. Ich spiele viel lieber auf der globalen Strategiekarte und lasse die Gefechte automatisch ausfechten -- und die Total War Fans werden mich dafür wahrscheinlich steinigen wollen *g*.

    Aber auf nem Beamer stelle ich mir das schon cool vor, irgendwie.